Flo Hornfire  - ein Hybridhorn ?


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Die Idee ein perfektes Hybridhorns zu bauen lässt mich nicht los und an der Verwirklichung arbeite ich nun schon sehr lange. Vorstufe zu diesem Hybridhorn war das BK126 von Fostex und meine darauf basierende „Flo Reso“. Da ein Hybridhorn schwer zu simulieren ist - zumindest lassen die mir bekannten Simulatoren das nur schwer zu- , habe ich ein abstimmbares Hybridhorn entwickelt. Es lässt sich mit Hilfe eines Stellrades an der Rückseite des Horns und einer Mess-CD  an den Raum, den Aufstellungsort und den Geschmack des Hörers anpassen. Mit dieser Konstruktion ist es möglich die Box sowohl als reines backloaded Horn, als auch als Mischung aus Horn und Bassreflex (hybrid) zu betreiben. Oder anders ausgedrückt lässt sich der Grundtonbereich, gerade bei freier Aufstellung, an die Raumakustik anpassen. Einschränkend sei gesagt, dass der Regelbereich klein ist, da das Horn im Verhältnis zur treibenden Membranfläche sehr tief abgestimmt ist.

Mir ist bewusst, dass ich mich mit dieser Konstruktion an die Experten aus der High-End-Welt richte, da die Vielfalt der möglichen Einstellungen ein „plug and play“ zwar ermöglichen, aber die Suche nach der optimalen Einstellung die gesamte CD-Kollektion in Anspruch nehmen kann.

Weitere, mir selbst auferlegte Bedingungen waren: 

-   Betrieb sowohl mit einem Breitbänder („S“) als auch einem Tief–Mittel-Töner in Kombination mit einem Tractrixhorn („D“)

-    Chassis 5“

-    Extrem kleine Abmessungen des Gehäuses

-    Tiefe Abstimmung des Horns

-     Klangjustierung durch ein variables Notchfilter bei der  Version „S“

-    Klangjustierung durch Pegelanpassung des Hochtöners bei der Version „D“

-     Gehäuse aus heimischen Massivhölzern

-     Resonanzarmer Aufbau des Gehäuses durch Verstrebungen

-     Chassispositionierung in Abhörhöhe

Die Hornfire „D“ habe  ich in zwei Varianten gebaut: 

In der  „D1“ ist  ein Tief/Mittel-Töner eingesetzt, der einen nutzbaren Frequenzgang bis 12000Hz zulässt und somit einem Breitbänder sehr nahe kommt. Der eingesetzte Hochtöner, ein Horntreiber im Tractrixhorn, übernimmt somit nur die oberen Höhen. 

 

Bei der „D2“ ist es umgekehrt. Hier übernimmt der Hochtöner im Tractrixhorn bereits bei 2400Hz seine Arbeit, also den Mitten- und Hochtonbereich. Bei dieser Variante spielt die Güte des Hochton-Treibers und seine Entzerrung eine wesentlich Rolle.  Die Trennung bei 2400Hz war nötig, da der eingesetzte Tief-Mittentöner eine viel höhere Trennung nicht zulässt. Eine wesentlich tiefere Trennung, z.B. bei 500Hz, wäre nur mit einem 2"-Treiber und einem großen Tractrixhorn machbar (Deshalb werde ich diese Variante wahrscheinlich nicht weiter verfolgen !).

Die Varianten „S2“ und „S1“ kennzeichnen die eingesetzten Chassis. 

Wichtiger als Messungen wird mir mein Gehör und das Gehör verschiedener Musiker sein, die Ihre Eindrücke schildern werden. 

Nach den ersten Hörsitzungen mit der Einstellung als reines BL-Horn und Korrekturen, wie Stopfen, Filterkorrekturen, etc., war ich zuerst einmal sprachlos und ich wusste, dass ich zumindest drei der beschriebenen Paare noch einmal bauen werde.


Das Projekt ist nun abgeschlossen !

Aus dem Hybridhorn wurde ein reines backloaded Horn. Nach mehr als 30 Stunden Musik (Jazz, Klassik und Pop), die ich zusammen mit Musikern und Menschen mit guten Ohren hörte, kamen wir gemeinsam zu dem Schluss, dass die Einstellung als reines BL-Horn die beste ist ! Gehört haben wir die Typen "D1" und "S1". Dabei haben wir so ziemlich alle möglichen Einstellungen der "Hybridklappe" an verschiedenen Aufstellungsorten getestet.

Dafür möchte ich mich bedanken bei:

 Zélia Nogueira da Fonseca, Musikerin und Sängerin

Hans Dohmen, Musiker (Percussion)

Julia Radloff, Sounddesignerin


Nach einer Verkleinerung der Rückkammer -der Bass war mir noch nicht fest genug und ein leichtes Nachschwingen war zu hören- und "Einbau" eines Helmholzresonators, abgestimmt auf ca.140Hz, war ich sehr zufrieden. Das erneut eingeladene "Team" bestätigte mir meinen Eindruck.

Mir ist bewusst, dass durch die jetzige Konstruktion eines reinen BL-Hornes von der ursprünglichen Idee abgewichen wurde. Das erachte ich aber nicht als Fehler, sondern sehe es als Optimierung eines Systems mit neuen Parametern. 


 

Die FFT-Analysen der Hornfire S1:

                   FFT-Analyse mit weißem Rauschen 

                   FFT-Analyse mit rosa Rauschen 

                    FFT-Analyse "step by step" 

                    FFT-Analyse mit  gewobbeltem Sinus

 

                       Impulsantwort (MLS) 


Zwischenzeitlich habe ich in der "S2" den Tangband W4-657SC gegen den Tangband W4-1320SC  getauscht. Dieser ist als "echter" Breitbänder zu sehen und spielt locker bis 20000 Hz. Für mich ist  dieses Chassis eine echte Entdeckung. Mit seiner Bambusfasermembran und seinem starken Antrieb ist es für dieses Horn eine Bereicherung.

 

 

      Frequenzgang der Hornfire S1 mit Tangband 1320SC (ungefiltert)


Ein weiteres, sehr gut verarbeitetes Chassis mit einer sehr präzisen Hochtonwiedergabe ist der Tangband W4-1337. 

Allerdings ist dieser mit seinem Qts von 0,37 für dieses Horn nur bedingt geeignet. Es zeigt sich im Bassbereich von 200 bis 50 Hz eine stark abfallende Kennlinie, die nur durch eine starke Entzerrung -leider auf Kosten der Dynamik- ausgeglichen werden kann.


Sehr schön verhält sich auch der Tangband W4 657 -ich hatte ihn ja bereits in der "S2" vorgestellt- in diesem Horn. Sein leichter Abfall im Bassbereich kann mit kleinen Bauteilen ausgeglichen werden. Leider ist der W4 - 657 als wirklicher Breitbänder umstritten. Deshalb habe ich  ihn mit einem Superhochtöner unterstützt:

  

 

 

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