Wie kommt Herr J. Omega zu  seinem tiefen Bass ?

Die GHP-Methode (geschlossen mit Hochpass)


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Auf der Suche nach dem schnellen, tiefen und kontrollierten Bass habe ich so ziemlich alle Gehäusevarianten getestet.

 

-         Hifi-Basschassis im Bassreflexgehäuse: die Bässe sind zwar sehr tief,  aber unkontrolliert, langsam und bei der Wahl schlechter Chassis dröhnend. Bei langsam anschwingenden Instrumenten, wie in der klassischen Musik, vielleicht nicht so auffallend.

 

-         Hartaufgehängte PA-Chassis im Bassreflexgehäuse: die Bässe sind wegen der höheren Resonanzfrequenz der Chassis nicht  ganz so tief abstimmbar. Brauchbare Chassis beginnen bei einer Größe von 12 Zoll. Sie arbeiten in dem Gehäuse kontrollierter, sauberer und impulsfester.

 

-         Backloaded Hörner:  hier können harte und weiche Chassis mit kleiner max. Auslenkung eingesetzt werden, da das Horn den Membranhub sehr begrenzt. Bei Übertragungen bis 30 Hz und großen Chassis werden diese allerdings sehr groß und sind wenig wohnzimmertauglich.

 

-         Front-Bass-Hörner: ermöglichen die beste Darstellung eines Schallereignisses, allerdings sind diese für Übertragungen bis 30 Hz noch größer als  backloaded Hörner. So hat z.B. ein ideales Kugelwellenhorn mit einem 12-Zoll-Chassis und einer unteren Grenzfrequenz von 35 Hz einen Durchmesser von 310 cm.

 

-         Geschlossene Gehäuse: sie gewährleisten eine hohe Impulstreue bei geringsten Verzerrungen. Allerdings ist gerade mit kleinen Chassis kein Tiefbass zu erwarten.

 12"-Basschassis im geschlossenen 60 Liter Gehäuse

-         Vorschalten eines Widerstandes im geschlossenen Gehäuse: hier wird die Güte des Chassis durch Vorschalten eines Serienwiderstandes erhöht  (Qes = Qes,alt * (Rv + Re) / Re) und der Antrieb geschwächt. Die Folge ist ein tieferer Bass auf Kosten der Schnelligkeit der Membran. Außerdem muss das Gehäuse größer ausfallen.

 

 12"-Basschassis im geschlossenen 60 Liter Gehäuse mit Vorwiderstand

-         Vorschalten eines Kondensators:   Man nehme einen großen Kondensator - und hier kommt endlich der oben genannte Herr zu Hilfe -, schalte ihn in Reihe mit dem Basschassis und  korrigiere den leicht verbogenen und geschwächten Frequenzgang mit einem Serienwiderstand! Der geschulte Leser wird sich fragen was ein Hochpass vor einem Tieftöner zu suchen hat.

 12"-Basschassis im geschlossenen 60 Liter Gehäuse mit Serien-Kondensator

 

Eine Erklärung gibt die komplexe Rechnung: 

jeder Lautsprecher hat einen rein ohmschen Widerstand ( Rdc ) und einen Blindwiderstand jwL (j omega L), die komplex addiert  die Impedanz Z ergeben und an denen proportional Teilspannungen abfallen. Außerdem induziert das Chassis durch die Bewegung der Membran eine weitere Spannung. Die komplexe Addition der Teilspannungen ergibt die Spannung Uls an den Lautsprecherklemmen. Schaltet man nun den Kondensator (1/jwC) vor,  so ergibt sich bei fallender Frequenz (w= 2*P*f) eine höhere Gesamtspannung an den Klemmen des Chassis. 

 

Der Nachteil dieser GHP-Methode ist, dass der Bass durch den Einsatz energiespeichernder Elemente unkontrollierter wird und die Impulstreue darunter leidet.

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