Ein Besuch bei Herrn Walter   


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Auf der Suche nach einer etwas kräftigeren und bezahlbaren Röhren-Endstufe,  stieß ich irgendwann auf die Seite von Herrn Walter (Walter Elektronik). Mir fiel auf, dass seine eingesetzten Ausgangsübertrager keine Klingeltrafos sind und dass sein Portfolio an Röhrenverstärkern einen überschaubaren Bereich abdeckt. Ich war sicher bei ihm etwas Gutes zu finden.

Da Mannheim von Heidelberg nicht weit entfernt ist, besuchte ich Herrn Walter in seiner Werkstatt. Den Besuch habe ich nicht bereut, denn Herr Walter ist einer von den alten Vollblutelektronikern, die ihr Handwerk verstehen und seine Freude an guten HiFi-Geräten ist ungebrochen. Das war bei der Vorführung seiner Verstärker deutlich an seinen vor Stolz glänzenden Augen zu sehen. Sein anschließender Vortrag über die Technik und die Philosophie der Röhrenverstärker, insbesondere in den Zeiten von 1950 bis 1980, hat mich beeindruckt und mir gezeigt, dass die Ingenieure aus der Zeit fantastische und ausgereifte Verstärkertechnik entwickelten.

Ich habe Herrn Walter gebeten, seine Ausführungen nieder zu schreiben, was er gerne voller Enthusiasmus tat:

Die Nachfrage nach Wohlklang und audiophilen Geräten ist immer noch
ungebrochen. Gute Lautsprecher, Verstärker und Plattenspieler hatten es noch nie so leicht, gegen einen durch Datenreduktion und einer von digital aufgemotzter, plastikscheppernder Trostlosigkeit beherrschten Gerätemarkt zu punkten. Selbst liebevoll instand gesetzte Geräte vergangener Jahre können sich gut behaupten, wie die wachsende Vintage-Scene  zeigt. Gerade der Röhren-Verstärker ist durch die Nachfrage nach älteren HiFi-Geräten in den Mittelpunkt des Interesses geraten. Er kommt bei allen prinzipiellen Schaltungen der Verstärkertechnik mit wenig aktiven und passiven Bauteilen aus und entspricht damit den Bemühungen vieler moderner High End-Entwickler nach einem „Reduzieren zum Optimum“. Das heißt: die wenigen Bauteile im Signalweg sind selektiert und von erlesener Qualität. Dies ist ein sehr zeitraubender und arbeitsintensiver Vorgang und bei wirklichen High End Geräten einer der Gründe für extrem hohe Preise. Ein einfaches Beispiel: Um 5%ige MKP-Kondensatoren auf 1% hochzuselektieren braucht man ca. 100 Stück dieser Kondensatoren, ein genaues Messgerät, einen Fachmann, der damit umgehen kann und viel Zeit um diese Bauteile in eine höheren Genauigkeitsstufe zu gruppieren. Also etwas für kleine Manufakturen, die das Vertrauen Ihrer Kunden genießen oder anspruchsvolle Selbstbauer.  Man erkennt Parallelen zum Lautsprecher-Selbstbau. Unterschiedliche Röhren-Fabrikate nehmen in HiFi-Verstärkern wenig Einfluss auf die Klang-Charakteristik, auch wenn notorische Röhrenstöpsler und NOS-Sammler das gerne glauben würden. Einwandfrei produzierte Röhren müssen gemäß ihrer Kennlinien und nach dem Schaltungsaufbau arbeiten. Wenn dann die Verzerrung besser als 1% sein soll, ist für die Röhren keine Möglichkeit gegeben so etwas wie eine eigene Klangfarbe zu entwickeln. Das gibt es nur bei Gitarrenverstärkern, denn diese Verstärker arbeiten ganz gezielt mit Verzerrungen um einen bestimmten Sound zu entwickeln.


Endstufenröhren arbeiten mit sehr hohen, lautsprecherunverträglichen Spannungen. Diese müssen in einem Ausgangstrafo in ein lautsprecher-kompatibles Format transformiert werden. An diesen Ausgangstrafo oder auch Ausgangsübertrager werden erhebliche Qualitätsansprüche gestellt. Würde man diesen OT ( Output Transformer) einfach nur wie einen Netztransformator durchwickeln, hätte man einen stark eingeschränkten Frequenzbereich. Fehlende oder abgeschwächte Bässe oder Höhen wären die Folge. Nur spezielle Blech- Pakete mit mehrfach verschachtelter Wickeltechnik ergeben einen HiFi-Übertrager. Eine aufwendige handwerkliche Leistung, für die der Verantwortliche auch mit seinem Namen steht, der deutlich auf dem Produkt zu sehen sein sollte. Bei vielen Verstärkern aus Fernost sucht man vergeblich nach einem Produktnamen auf dem OT, denn der Einsatz eines namhaften Produktes hätte mit Sicherheit den Schnäppchenpreis verhindert.  
Wenn wir ein Plattenspielersystem kaufen, geben wir uns ja auch nicht mit einem namenlosen Produkt zufrieden.

Anfang der 70er lief die Zeit der Röhre in der HiFi-Tecnik aus. Aber es war Wirtschaftswunderzeit, die Entwicklungsabteilungen bei Grundig, Siemens, Lorenz, Philips etc. hatten reichlich Mittel zur Verfügung. Die Ingenieure waren gut ausgebildet und hochmotiviert. Der Wunsch nach mehr Verstärkerleistung und Wohlklang wurde durch Gegentaktpenthoden mit ultrtalinearen Übertragern  erfüllt. Reine NF-Verstärkerröhren, wie zB. die EL84 und die EL34 wurden von den Herstellerfirmen ständig verbessert und optimiert. In dieser bewährt guten Qualität werden sie heute wieder von JJ in Tschechien und Elektro-Harmonix in Russland hergestellt. Wussten Sie, dass eine EL34 im Gegen-Takt als Penthode mit Ultralinear-Schaltung nahezu den gleichen Klirrfaktor hat, wie die gleiche Röhren in Triodenschaltung, dafür aber die doppelte Leistung produziert ?  Und ausreichend Leistung wird klanglich immer positiv bewertet. Auch ein Hornlautsprecher klingt mit einem guten Gegentaktverstärker ohne Crossover-Verzerrung knackig und wirkt schnell besser als ein 3-Watt Eintakt- Verstärker, der bei jedem Tiefbass gestresst und schwindsüchtig wird.

 

Das war jetzt meine persönliche Einstellung und Erfahrung. Sie werden, wenn Sie sich mit dem Thema Röhrenverstärker näher beschäftigen, noch viele andere Meinungen dazu kennen lernen.

 

In dem Sinne – entspanntes Hören

B.Walter                                                         

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Jedenfalls  war ich von seinen Verstärkern so angetan , dass ich mir den Bausatz einer 2 x 15 Watt Endstufe, Gegentakt ultralinear, kaufte. 

Ein paar Bedenken hatte ich schon, hatte ich mich doch schon recht lange nicht mehr mit der Verstärkertechnik befasst. Der Aufbau war zwar kein Kinderspiel, aber wegen der guten Dokumentation von Herrn Walter, wie Bohrplan, Schaltplan und Verdrahtungsplan gelang der Aufbau auf Anhieb. Selbst der BIAS-Abgleich verlangte keine großen Vorkenntnisse in der Elektronik.

Hier ein paar Bilder vom Aufbau:

Naja, ein paar Fehler habe ich schon gemacht, die ich aber nach Rücksprache mit Herrn Walter - und der ist sehr kooperativ - beheben konnte.

Jetzt läuft der Verstärker ohne Probleme und erfreut mich täglich durch seine Transparenz mit der er die Hörner treibt. Ich bin sicher, dass dieser Verstärker nicht der letzte sein wird, den ich als Bausatz von Herrn Walter kaufen werde.

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